Geschichte
- Vorwort zur Festschrift 1959
- Geschichte der Apotheker- Familie Leddin, Buxtehude
- Johann Christoph I
- Johann Christoph II
- Johann Christoph III
- Heinrich Wilhelm
- Johann Christoph V
- Wilhelm Felix Hermann
Vorwort zur Festschrift 1959
Das Jahr 1959, das der alten Hansestadt an der Viver aus Anlass der 1000-jährigen Wiederkehr ihrer ersten Erwähnung im historischen Schrifttum zahlreiche Festlichkeiten und Feiern, Tagungen und Treffen, Vorträge und Veröffentlichungen bringen wird, wird auch zu einem Erinnerungsjahr für unsere Familie. Durch unsern Ahnherrn, den Apotheker Johann Christoph Leddin, wurde genau vor 225 Jahren, am 18. Januar 1734, in Buxtehude der Grundstein für unsere Apotheke gelegt. 225 Jahre Apothekerfamilie am gleichen Ort! Da wird mancher, dem diese Schrift in die Hände kommt, unwillkürlich an die alten Erbhöfe in Marsch und Heide erinnert, die sich ihrer jahrhundertealten, bäuerlichen Tradition mit Stolz rühmen, und das mit Recht. Dieses stolze und dankbare Gefühl der Verbundenheit mit dem Erbe der Väter und dem Dienst an der Bevölkerung in Stadt und Land bewegt aber auch uns alle, die den Namen Leddin tragen, und darum weiß auch jeder, daß diese Tradition verpflichtet.
Ein Jubiläumsjahr gibt dazu besonders willkommenen Anlaß, solche Verpflichtung und Freude zum Ausdruck zu bringen und Freunde und Bekannte der Familie daran teilnehmen zu lassen.
So haben wir uns entschlossen, in dankbarem Gedenken an die Vorfahren unserer Familie eine Geschichte unseres Hauses schreiben zu lassen, die einen überblick über Leben und Wirken der einzelnen Generationen bringen soll, um die Leser an dem vielfältigen Schicksal der Familie teilnehmen zu lassen.
Dankbar sind wir auch den vielen Familien in Buxtehude und Umgebung, in Marsch, Moor und Geest des Umkreises unserer 1000jährigen Stadt, die der Rats- und Einhorn-Apotheke die Treue bewiesen haben. Desgleichen danken wir unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für die stets gute Zusammenarbeit.
Unser Dank gilt ferner dem Büro der Evangelischen St. Petri Gemeinde in Buxtehude, das in liebenswürdiger Weise die Einsichtnahme in die Kirchenbücher als wesentliche Grundlage für die Familiengeschichte gestattete und ebenfalls Herrn Stadtarchivar Oberstudienrat i. R. Langelüddecke, der eine Reihe von wichtigen Urkunden freundlich zur Verfügung stellte.
Besonderen Dank schulden wir Herrn Lehrer und Kreisarchivpfleger Wilhelm Marquardt aus Immenbeck, der aus dem Tagebuche unserer Vorfahren diese Schrift zusammenstellte.
Buxtehude, den 18. Januar 1959
Nach obenGeschichte der Apotheker- Familie Leddin, Buxtehude
Das Jahr 1959, in dem die Stadt Buxtehude ihre Tausendjahrfeier begeht, bedeutet für die Geschichte der Rats- und Einhorn-Apotheke und ihren Besitzer die 225. Wiederkehr
des Tages, als der Urahn der Familie Leddin, Johann Christoph, die Apotheke der Stadt übernahm, die seitdem ohne Unterbrechung im Besitz seiner Nachkommen blieb.
Johann Christoph Leddin kam aus Spandau, wo die Vorfahren seit der Zeit des 30 jährigen Krieges festzustellen sind. Sein Urgroßvater Adam, der als Bürger in
Pritzerbe wohnte, starb, bevor der Großvater, auch Adam genannt, am Trinitatissonntage des Jahres 1633 in der St. Nikolaikirche in Potsdam mit Elisabeth, der Tochter
des Bürgers und Schusters Jacob Schroptorff, getraut wurde.
Pritzerbe in der Mark ist der ältestbekannte Stammsitz der Leddins, deren Name auf die Herkunft der Familie aus dem Dorfe Leddien bei Neustadt an der Dosse in der Mark Brandenburg hinweist. Bruch, Unland und Heide sind in dem Namen angedeutet, und diese rauhe Umgebung mag auch Adam Leddin mitten in den Wirren des langen Krieges bewogen haben, die bäuerliche Heimat der Väter zu verlassen, um als Bürger und Brauer in Spandau ein neues und rechtschaffenes Leben zu beginnen. Die Brauer galten als angesehene Männer unter den Bürgern, und ihr Bier mag in der damaligen unruhigen Zeit besonders hoch geschätzt worden sein.
Die Kirchenbücher in Spandau geben keine Auskunft darüber, wie viel Kinder seiner Ehe entsprossen. Sicher ist, daß nach 22jähriger Ehe (noch) der Sohn Erdmann und vier Jahre später die Tochter Catharina geboren wurden. Erdmann Leddin wurde am 26. August 1655 in Spandau getauft und war zweimal verheiratet: Mit Eva Sophie Schneen am 17. Mai 1683 und mit Maria Willicken am 3. September 1694. Sie war die Tochter des Meisters Augustin Willicken, Bürgers und Seilers in Spandau, und wurde die Ahnherrin der Leddins. Zehn Kinder wurden Erdmann Leddin, der in den Urkunden als Bürger, Brauer und Senator in Spandau verzeichnet steht, und seiner Frau geboren, vier Töchter und sechs Söhne. Vermutlich war es der 1697 geborene älteste Sohn Daniel, der die Brauerei erbte; zwei seiner Brüder aber wurden Apotheker. Durch den väterlichen Beruf waren sie wohl mit gewissen chemischen Kenntnissen vertraut und so für den Apothekerberuf interessiert worden. Samuel, geboren am 11. Juni 1700, wurde privilegierter und approbierter Medizin-Apotheker und Besitzer der Adler-Apotheke in der Potsdamer Straße in Spandau' und Johann Christoph kam nach Buxtehude. Auch Samuels Sohn, der am 14. September 1740 in Spandau geborene Samuel Friedrich Leddin, verheiratet am 6.September 1789 mit Charlotte Sophie Ewaldt, der einzigen Tochter des Bürgers und Brauherrn Ernst Friedrich Ewaldt in Spandau, wurde Apotheker und Besitzer der Apotheke ,,An der langen Brücke" in der Gertrudenstraße in Berlin, wo er am 16.Juli 1813 infolge Schlaganfalls starb. (Archiv für Sippenforschung, Verlag Starke, Görlitz, 1928, S.228).
Nach obenJohann Christoph I
Mit Johann Christoph Leddin, der nach Buxtehude kam, wollen wir uns nun etwas eingehender beschäftigen.
Er hat über Sein an Schicksalen reiches Leben ein Tagebuch geführt, (das sich im Besitz der Familie Leddin befindet. Den Lesern aber würde eine historisch und besonders familienkundlich bemerkenswerte Schilderung vorenthalten, wenn hier nicht auf die liebevoll geführten Seiten der Chronik eingegangen würde. Johann Christoph schreibt über seine früheste Kindheit und Jugend:
"Mein Vater ist gewesen Herr Senator Erdmann Leddin in Spandau und meine Mutter eine geborene Wilcken Tochter des Burgers und Amtsseilers Wilckens in der Festung Spandau; geboren bin ich am 6. Juli 1706. Von zartester Jugend an bin ich von meinen lieben Eltern zur Schule gehalten und in aller Ehrbarkeit und Gottesfurcht erzogen worden. In meinem 9 Lebensjahr verlor ich schon meinen Vater, am 3. Mai 1716, und im 16. meine Mutter, am 6.April 1723. Zwei Jahre vor ihrem Tode hatte meine Mutter mich zu dem Apotheker Kunitzky in die Lehre gegeben.
Da ich es hier an redlichem Streben nicht hatte fehlen lassen, wurde ich zu Ostern 1726 nach ausgestandenen Lehrjahren zum Gesellen gemacht."
Mit 20 Jahren ging er in die Fremde und fand zuerst Stellung in der Apotheke in Kyritz, kehrte aber sehr bald nach Spandau zurück, da ihm von preußischen Werbern nachgestellt wurde. In Preußen regierte Friedrich Wilhelm 1., der Vater Friedrichs des Großen, der Soldatenkönig, der seine Grenadiere in Potsdam seine lieben blauen Kinder nannte, gute Worte, Geld und List anwenden ließ, um schön gewachsener, großer, junger Burschen habhaft zu werden. Ein halbes Jahr lang glückte es Johann Christoph Leddin, sich ihren Nachstellungen zu entziehen. Kurz vor Ostern aber wurden er und sein Vetter und Mitgeselle Kunitzky von des Königs Werbern gewaltsam aus dem Hause geholt, auf die Feste gebracht und gezwungen, den Fahneneid zu leisten. 1728 kam er wieder frei und trat nun in die Apotheke zu Straußburg (Altmark) ein. Nur drei Monate Aufenthalt waren ihm hier vergönnt, als wieder preußische Werber erschienen und ihn so lange belästigten, bis Johann Christoph Leddin nach Berlin flüchtete. Auf seine Ausbildung als Apotheker bedacht, nahm er an den Vorlesungen der Hofapotheke teil, verließ aber Berlin wieder im Mai desselben Jahres, setzte sich auf den Neuruppiner Bierwagen und fuhr nach Fehrbellin. Hier erreichte er einen ordentlichen Postwagen, der ihn in dreitägiger Fahrt glücklich nach Hamburg brachte. Nachdem er die großen und neuen Eindrücke der alten Hansestadt, Alster und Elbe genügend auf sich hatte einwirken lassen, machte er sich auf den Fußmarsch nach Winsen an der Luhe, wo sein älterer Bruder, Samuel, damals bei dem Apotheker Hermann Richter konditionierte.. Dem Anschein nach hatte Richter gute persönliche Beziehungen nach Haniburg und besonders zu den Herrn Berendes und Satory, die Johann Christoph Leddin bereitwillig in ihre Apotheke aufnahmen. Hier aber waren es dänische Soldaten, die ihn gewaltsam zum Militärdienst zwingen wollten. Als sie eines Tages wieder zugriffen und die Lage um Johann Christoph Leddin fast aussichtslos war, gelang es einem unbekannten Hamburger Herrn, ihn aus den Händen der Dänen zu befreien. Tiefbewegt und dankbar erinnerte sich der junge Leddin später dieses Erlebnisses, für das er keinen persönlichen Dank abstatten konnte, weil er den Herrn nicht erkannt hatte und der sich auch nicht wieder meldete. Aber auch in Hamburg schien es ihm noch nicht geheuer zu sein, und auf seinen Wunsch hin empfahlen ihn die Hamburger Prinzipale nach Buxtehude, an den Apotheker Schneidermann, bei dem er 1729 in Stellung trat. So kam Johann Christoph Leddin nach Buxtehude.
Offensichtlich faßte er hier in dem Städtchen an der Este und in seiner sicher sehr gemütlichen Apotheke in der Fischer-Strasse bald festen Fuß, denn es dauerte nicht allzulange, als er sich mit Christiane Elisabeth Schneidermann, Schwester des Ratsapothekers Joh. Wilh. Schneidermann, dessen Mitinhaber er auch bald wurde, verlobte. Als der kränkliche Schneidermann 1733 starb, verheiratete Leddin sich mit der nunmehrigen Besitzern der Apotheke, übernahm zunächst die Verwaltung und reichte bald ein Gesuch beim Rat der Stadt ein, die Konzession zu bekommen. Dem Gesuche wurde stattgegeben, und am 18. Januar 1734 wurde Johann Christoph Leddin zum privilegierten Apotheker der Stadt Buxtehude ernannt. Mit diesem denkwürdigen Tage beginnt für die Geschichte der Apotheke in Buxtehude wie auch für die Geschichte des Hauses Leddin eine Epoche, aus der soviel Aufzeichnungen und Urkunden vorliegen, sodaß wir uns im folgenden auf das Wesentliche beschränken müssen.
In der am 18. Januar 1734 ausgestellten Urkunde erklärt der Rat der Stadt Buxtehude seine Zustimmung zur übernahme und Verwaltung der Ratsapotheke durch Johann Christoph Leddin, bezeugt ihm, daß er den Apothekerberuf nicht ihm ordngsmäßig erlernt und sich an verschiedenen Orten als Geselle weiter ausgebildet hat, sondern daß aus den vorgelegten Zeugnissen ersichtlich ist, dass auch an seinem Wissen als Apotheker und an seinem Lebenswandel keinerlei Zweifel bestehen. Darum will der Rat ihm gern "sein Vorhaben ins Werck zu richten erlauben und behufs dieser seiner zu errichtenden Officin bis auf seine Lebenszeit die Apothekengerechtigkeit ertheilen".
In 22 Punkten werden die von Seiten der Stadt gestellten Bedingungen für Leddin, in neun die ihrerseits übernommen Verpflichtungen festgelegt und von dem Stadtsekretär Johann Michael Mathaei und dem Apotheker Leddin unterzeichnet und mit dem Stadtsiegel versehen.
Johann Christoph Leddin, den wir zur besseren Unterscheidung von seinen Nachfolgern gleichen Namens als Johann Christoph 1. bezeichnen wollen, traf gleich im ersten Jahre seiner jungen Ehe schweres Leid, weil ihm seine Frau Christiane Elisabeth bereits am 13. Oktober starb. Schwer lastete auf dem jungen Leddin auch das trübe Verhältnis, das die beiden Schwestern seiner Frau und besonders der mit der einen verheiratete Zollverwalter Brand ihm gegenüber einnahmen. Der von dieser Seite qeschürte Zwist war zweifellos aus lauter Mißgunst geboren, denn Johann Wilhelm Schneidermann schätzte den jungen Leddin sehr und schrieb ihm wiederholt, als er vorübergehend Buxtehude verlassen und in Verden eine andere Stellung angenommen hatte, er möge doch wieder zurückkehre Aber Johann Christoph konnte sich erst zu einer Rückkehr entschließen, als er von der Krankheit seiner "Amante" erfuhr Bei seiner Ankunft in der Fischerstraße lag der Schwager schwer krank, und Christiane Elisabeth war zu seiner großen Freud wieder gesund. Die Von Seiten der Widerpartner geführte Klagen entschieden sich eindeutig zugunsten Johann Christoph Leddins, der, wie wir bereits vermerkten, mit Erteilung der Konzession auch rechtmäßiger Besitzer der Apotheke wurde.
Die Haltung zu ertragen, die verschiedene unter den maßgeblichen Bürgern Buxtehudes zu Johann Christoph 1 einnahmen, mag für ihn nicht immer einfach gewesen sein. Vielleicht galt er als fremder Eindringling, der mit neidischen Blicken verfolgt wurde, und dem man das offensichtliche Glück des Emporkommens mißgönnte. Denn aus dieser Zeit hat sich in der Familie Leddin von Generation zu Generation die Sage erhalten, daß es Buxtehuder Bürger waren, die Johann Christoph 1 nicht einmal das Wasser gegönnt hätten. Aber er habe sich zu helfen gewußt! Er ließ sich das Wasser täglich auf dem Wege durchs alte Geesttor von Altkloster her holen. Bis ans Ende des 19. Jahrhunderts lief darum der Wasserträger nach Altkloster, Wo in der Nähe der Winter'schen Papierfabriken ein Brunnen war, aus dem das Wasser zum Destillieren in der Apotheke herbeigeholt wurde. Vor 50 Jahren hatten die ä1teren Buxtehuder das Bild des Wasserträgers ihrer Apotheke, der mit der damals gebräuchlichen und auf den Bauernhöfen noch heute bekannten "Dracht" seine Steinkrüge mit Altkloster Wasser auf der Bahnhofstraße daherkam, noch in deutlicher Erinnerung.
Johann Christophs 1. Ehe mit Christiane Schneidermann blieb kinderlos. Seine zweite Frau wurde am 30. August 1735 Anna Sophia Wilken, Tochter des Pastor primarius und Seniors der St. Cosmae-Kirche in Stade, Samuel Wilken. Sie schenkte ihm fünf Kinder, drei Mädchen und zwei Knaben, starb aber bereits nach l2jähriger, glücklicher Ehe gegen Ende des Jahres 1747. Er verheiratete sich zum dritten Male am 2. Oktober 1749 mit Anna Metta Schmidten, die am 22. Juni 1703 in Buxtehude als Tochter von Johann Schmidten geboren war und am 18. Oktober 1787 im Alter von über 84 Jahren in Buxtehude starb.
Nachdem das Gebäude in der Fischerstraße, wo sich aller Wahrscheinlichkeit nach die Schneidermann'sche Apotheke befand, um Michaelis 1735 geräumt und die Apotheke in das alte "Fricke'sche" Haus, vielleicht auch in der Fischerstraße, verlegt worden war, wurde Johann Christoph Leddin das Haus am 19. September 1736 gekündigt. Sechs Wochen später kaufte er ein Haus von Joachim Anders Meyer am Westfleth, wo sich die Apotheke bis zum Jahre 1926 befand wobei nicht unerwähnt bleiben kann, dass sie wiederholt den Bedürfnissen der Zeit entsprechend umgebaut und renoviert wurde, zuerst seitens Johann Christoph 1. Der nach dem ersten größeren Umbau am 29. April 1737 einzog.
Er sowie seine Frau wurden wiederholt von schweren Krankheiten heimgesucht, und auch sonst hat die Familie mancherlei Leid erfahren.
Der älteste Sohn Samuel Erdmann Heinrich, der den Bierbrauerberuf erlernen wollte und schon zwei Jahre in der Lehre beim Meister Böldicken in Spandau gewesen war1 verunglückte tödlich durch Sturz vom Malzboden am 11. Juli 1759 im 19. Lebensjahre. Bei einer Fahrt über die Viver nach dem auf dem jenseitigen Ufer liegenden Garten fiel die Frau des Hauses ins Wasser und wäre sicher ertrunken, wenn nicht der Mann zufällig in der Nähe gewesen wäre. Aber aus den oben erwähnten Tagebuchaufzeichnungen geht hervor, daß ihn während seines ganzen Lebens ein unerschütterliches Gottvertrauen lenkte das ihm über alle Widerwärtigkeiten hinweghalf.
Auch sein Name als Apotheker hatte nicht nur in der Stadt, sondern auch im weiten Lande einen wahrhaft guten Ruf.
Welchen Anklang z. B. seine Arznei gegen die Viehseuche fand, darüber liegt ein Bericht aus Achim vom 21. Januar 1752 vor, der in einer der ältesten Zeitungen Niedersachsens, den "Hannoverischen Anzeigen" vom 31. Januarius 1752 veröffentlicht wurde. Er lautet:
"Achim, den 21. Jan. Obgleich in dem zum hiesigen Gohgerichte gehörigen Dorfe, Uphusen, im November 1751 die Viehseuche sich geäußert; So hat jedoch, nachdem auf Specialverordnung Königl. Hochpreisl. Regierung zu Stade von dem Apotheker Leddin zu Buxtehude, dessen Arzney dafür geholet worden, alles kranke Vieh, an die 18 Stücke, dem dieselbe gebrauchet, unter göttlichen Segen die Krankheit überstanden, auch die Viehseuche selbst seit 4 Wochen bereits völlig ceßiret.
Von vorbenanter Arzney wird den Ochsen zwei Loth, einer Kuh, wenn sie gleich trächtig, 1 Loth, und einem Kalbe 1/2 Loth des Morgens, Mittags und Abends in einer Maculaturtute ein- und ein warmer Mehltrank nachgegeben, auch wenn es sich nicht in 24 Stunden zum Flusse giebt, diese Portion um die Helfte vermehret. Das Pfund kostet 3 Mark; in Dosin bey 1 Loth aber das Pfund 4 Mark, welche mit des Verfertigers Petschaft besiegelt sind."
Die Viehseuche, mit der sehr wahrscheinlich die Maul- und Klauenseuche unserer Tage gemeint ist, muß in jenem Jahre übrigens einen ganz erheblichen Umfang gehabt haben, denn in dem gleichen Blatte werden Berichte aus dem Amte Lüneburg, aus Sycke und aus Lüchow gebracht, in denen gemeldet wird, daß in Sudweyhe und Riede und auch in Kählstorf kein Vieh mehr krank ist, daß aber im Amte Lüchow in der Woche um den 22.Januar noch 11 Tiere umgekommen sind. Es gilt wohl als sicher, daß die Medizin Leddins, deren Zusammensetzung leider nicht mehr bekannt ist, bei den Maßnahmen gegen die verheerende Seuche ausgezeichnete Dienste getan hat. Ein von ihm angelegtes Rezeptbuch wird in der Familie Leddin als wertvolles Andenken aufbewahrt.
Mit der Person Johann Christoph Leddins 1. haben wir uns etwas eingehender befaßt, weil er es war, der die gesunde Grundlage schuf, auf der die alte Ratsapotheke sich weiter entwickeln konnte; denn es muß bedacht werden, daß er bei seinem Dienstantritt bei Johann Wilhelm Schneidermann im Jahre 1729 zwar den Anfang zu einer Apotheke oder einem Medikamenten- und Drogenladen fand, der aber zweifellos kaum den einfachsten Bedürfnissen entsprach. Die ersten Hinweise auf eine Buxtehuder Apotheke liegen aus dem Jahre 1634 vor, aber Einrichtung und Arzneivorräte ließen wohl 100 Jahre lang viel zu wünschen übrig; denn bei Johann Christoph 1. Ankunft in Buxtehude war es den Chirurgen, wie damals die Arzte allgemein genannt wurden und den Badern, den heutigen Friseuren, erlaubt, ebenfalls mit Arznei Handel zu treiben. Daß die Chirurgen bessere Medikamente verordneten und verkauften als die Apotheke, bedarf kaum einer besonderen Betonung. Durch den oben erwähnten Vertrag mit der Stadt machte Leddin diesem Zustand ein Ende. Die Apotheker-Concession für Johann Christoph Leddin 1. aus dem Jahre 1734 befindet sich im Wortlaut auf Seite 34.
Johann Christoph Leddin 1. starb infolge Schlaganfalls am 22. November 1775 im 70. Lebensjahr.
Nach obenJohann Christoph II
Die Apotheke übernahm nach des Vaters Tode Johann Christoph Leddin 1., der am 8. Juni 1742 in Buxtehude geboren wurde. Seine Lehrzeit verbrachte er in Stade und ging dann, den Gepflogenheiten seiner Zeit entsprechend, auf die Wanderschaft, die ihn die Apotheken in Marne, Lauenburg, Garding, Mölln, Dömitz, Uetersen und Barmstedt kennenlernen ließ. So brachte er eine gute und vielseitige Erfahrung mit, als er im November 1775 die Ratsapotheke am Westfleth übernahm. Acht Jahre lang zog er es vor, Junggeselle zu bleiben. Im 42. Lebensjahre aber führte er dann Anna Maria Dorothea Steinmeyer, geboren am 3. März 1748 in Bentrup (Lippe) als seine Gattin ins Haus. Die Hochzeit war am 30. September 1783. Die älteste Tochter Anna Maria Elisabeth, geboren am 7. Juli 1734, starb nach vier Monaten, am 14. November 1784. Am 28. Oktober 1785 wurde der einzige Sohn Johann Christoph III. geboren, dem noch am 12. September 1787 die Tochter Caroline Henriette Wilhelmine folgte, die sich am 30. Januar 1807 mit dem Buxtehuder Arzt, dem Dr. med. Johann Georg Müller verheiratete, 3 Töchter und einen Sohn gebar und am 19. Juni 1813 nach nur etwa 6jähriger Ehe in Buxtehude starb.
Nach obenJohann Christoph III
Während die Frau Johann Christophs II. fast 85 Jahre alt wurde und am 25. Januar 1833 starb vollendete ihr Gatte nicht sein 60.Lebensjahr und starb bereits am 14. April 1803, zu einem Zeitpunkt, als sein Sohn und Nachfolger noch nicht volljährig war und die Apotheke nicht übernehmen konnte. Die Witwe Leddin bemühte sich deshalb um einen Verwalter der so lange blieb, bis Johann Christoph III. als ausgebildeter Apotheker das väterliche Erbe antreten konnte. Er verheiratete sich am 3. Februar 1815 mit der am 10. März 1795 in Buxtehude geborenen Tochter Margareta Elisabeth des Cord Martin Westphalen und seiner Frau Anna Maria Elisabeth Bellmann. Wegen der günstigeren übersicht über die große Zahl der Kinder, deren Lebenslauf und besonders deren Verheiratung bezeichnend ist für das Ansehen, das die Eltern in Buxtehude oder der weiteren Umgebung genossen, sei es gestattet, die Kinder in der Reihenfolge ihres Alters und den entscheidenden Lebensdaten aufzuführen:
- Wilhelmine Marie Dorothea, geb. 4, Dezember 1815, gest. 17. April 1865 in Berlin, verh. den 14. Oktober 1834 in Buxtehude mit dem Kaufmann Gottfried Daniel Theodor Gennerich, geb. 28. März 1795 in Scharmbeck, gest. 28. Dezember 1856 in Berlin.
- Johann Conrad Christoph IV., geb. 9. Dezember 1816, erbte die Apotheke.
- Elise Mathilde, geb. 5. Oktober 1818, gest. 13. Dezember 1869 in Buxtehude am Gehirnschlag, verh. 18. Februar 1842 in Buxtehude mit dem Stadtphysikus in Buxtehude, Dr. med. Gustav Ferdinand Brecht, geb. 7. September 1806 als Sohn des Lieutnants Johann Justus Brecht und seiner Ehefrau Anna Elisabeth geb. Mahler, gest. am 19. März 1859 nach einem Fall im Turm der St. Petri-Kirche in Buxtehude.
- Marie Dorothea, geb. 14. Juli 1820, gest. 29. März 1889 in Buxtehude, unverehelicht.
- Heinrich Wilhelm, geb. 4. Mai 1822, erwarb die Apotheke von seinem Bruder Johann Conrad Christoph IV., dessen Ehe kinderlos blieb.
- Johanna Margaretha Henriette, geb. 6. November 1823, gest. 8. März 1855 in Buxtehude, verh. 28. April 1841 mit Pastor Karl Hermann Kunhardt, Buxtehude, geb. 30. Januar 1816 in Hamburg, gest. 20. November 1864 in Buxtehude. (Seine Stammtafel ist im Deutschen Geschlechterbuch, Band XIX, Jahrgang 1911, Verlag Starcke, Görlitz, veröffentlicht worden.) Pastor Kuhnhardt war zweimal verheiratet. Siehe unter Nr.7! 5 Kinder.
- Marie Luise, geb. 12. Februar 1825, gest. 15. März 1888 in Buxtehude, verh. 24. Juni 1856 mit Pastor Karl Hermann Kuhnhardt. 5 Kinder.
- Helene Elise, geb. 22. Februar 1827, gest. 19. August 1902 in Berlin, verh. 11. Juni 1851 mit dem Kaufmann Franz Julius Peschki, geb. 24. Januar 1824 in Berlin, gest. 16. Februar 1893 in Berlin.
- Martin Theodor, geb. 13. Juni 1829, gest. 10. Juni 1893 in St. Kilda b. Melbourne in Australien, verh. 30. April 1858 in St. Kilda mit Sarah Jane Cassidy, geb. 22. Juni 1837 in Edinburgh (Schottland), gest. im Januar 1883 in St. Kilda. Martin Theodor war Kaufmann.
- Juliane Wilhelmine geb. 3. Mai 1832, gest. 19. Mai 1869 in Hannover, verh. 4. Mai 1852 mit Carl Heinrich Eduard Ocker, Pastor in Wilstedt, geb. 5. August 1822 in Nienburg, gest. 18. April 1901 in Hannover. Das Ehepaar hatte 5 Töchter und 6 Söhne.
Johann Christoph Leddin III. hat es mit dieser großen Kinderschar sicher nicht leicht gehabt, und seine Sorge um seine Familie mag mit ein Grund dafür gewesen sein, daß er auffallend wenig in das Tagebuch, das sein Großvater angefangen hatte, eintrug. Viel Mühe und Arbeit und viele "überstunden" werden ihm keine Zeit zum Schreiben gelassen haben. Und doch ist er fast 80 Jahre alt geworden, denn er starb am 2. April 1865. Seine Frau überlebte ihn um zwei Jahre und starb an Lungen-Katarrh im 73. Lebensjahre, am 19. Juli 1867 in Buxtehude. Im Februar 1865 hatte das Ehepaar die Goldene Hochzeit auf dem Schützenhof feiern können.
In dem Familienbuch finden wir die folgenden, recht bezeichnenden Worte, von seiner Schwiegertochter Margarethe geb. Westphalen eingetragen: "Meinen Schwiegereltern ist ein sehr glückliches Leben zuteil geworden; sie haben in reichem Maße Gottes Segen und Güte erfahren; zuzeiten auch tiefes Leid empfunden, doch bis an ihr Lebensende dem Herrn danken müssen für alle Liebe und Treue.
Nach obenJohann Conrad Christoph IV
Als Nachfolger übernahm Johann Conrad Christoph Leddin IV im Jahre 1851 die Apotheke am Westfleth. Die Erlaubnis zu ihrer Führung ausgestellt durch den Landdrosten in Stade, liegt vor, und darin wird bestätigt, daß die Königlich ärztliche Prüfungskommission am 3. Mai 1840 seine Befähigung für den Beruf festgestellt hat. Die Genehmigung wurde an die Bestimmungen der Apotheker - Ordnung vom 19. Dezember 1820 geknüpft. Besonders wird darauf aufmerksam gemacht, daß es weder zu Anfang noch später jemals an den zur Führung des Geschäfts nötigen Geldmitteln fehlen darf, daß sein "ganzes Verhalten in jeder Hinsicht stets das eines rechtschaffenen, verständigen und gesetzten Mannes, von völlig unbescholtenem Wandel sein und bleiben muß, und daß die Apotheke in kein anderes Local verlegt werden darf, ohne die Erlaubnis der Königlichen Landdrostei eingeholt zu haben.
Zu einem kurzen Streit zwischen der Stadt Buxtehude und dem Apotheker Leddin kam es aus dem Grunde, weil die Stadt sich wegen der jährlichen Anerkennungsgebühren von 6 Talern, die der Apotheker bis dahin an die Stadt zu zahlen hatte, aber nach der Apotheken-Ordnung von 1820 an die Landdrostei Stade zahlen mußte, übergangen fühlte. So hatte die Rekursvorstellung des Magistrates der Stadt keinen Erfolg. Auf ihre 12 Seiten lange Eingabe an die Königliche Regierung in Hannover wurde ihr mitgeteilt, daß sie die Angelegenheit auf gerichtlichem Wege nicht anfechten dürfe. Aber anscheinend ist der kleine Streit recht bald beigelegt worden.
Johann Conrad Christoph Leddin IV. ließ im Jahre 1856 das Vorderhaus von Grund auf neu ausbauen. Das neue Haus am Westfleth wurde sehr gut gebaut und kostete mit einer neuen Einrichtung des Laboratoriums, das jetzt ins Erdgeschoß verlegt wurde, 10000 Thaler. Seit diesem Zeitpunkt führte die Apotheke den Namen "Einhorn-Apotheke".
Am 19. April 1863 verheiratete sich Leddin IV. mit Marie Dorothea Brunckhorst, die am 22. November 1829 in Buxtehude als Tochter des Zementfabrikanten Johannes Otto Brunckhorst und seiner Ehefrau Metta Maria Elisabeth geb. Leikroth geboren wurde und am 3. Dezember 1912 hier starb. Die Ehe blieb kinderlos.
Nachdem Johann Conrad Christoph IV. am 25. Juli 1870 in Buxtehude gestorben war und Kinder, die die Nachfolge hätten antreten können, nicht vorhanden waren, verkaufte die Witwe Leddin, geb. Brunckhorst die Apotheke an ihren Schwager den Bruder ihres verstorbenen Mannes, an Heinrich Wilhelm, der zum Osterfest des Jahres 1871 die Apotheke seiner Ahnen übernahm.
Nach obenHeinrich Wilhelm
Heinrich Wilhelm Leddin wurde am 4 Mai 1822 in Buxtehude geboren und verheiratete sich am 18 Mai 1859 mit Margaretha Dorothea Westphalen geboren am 7 März 1839 als Tochter des Brauers Konrad Hermann Friedrich Westphalen in Buxtehude und seiner Ehefrau Anna Catharina Rebecka Oelkers aus Harsefeld. Er hatte in Göttingen Pharmazie studiert und war dort nach den Kösener Corps Listen (1930)1849 und in den folgenden Jahren auch als Corpsstudent aktiv bei dem Corps "Bremensia" gewesen. Nach den bestandenen Examen pachtete er die Apotheke in Harsefeld und kam 1871 nach Buxtehude.Das Ehepaar Heinrich Wilhelm Leddin hatte folgende Kinder:
- Anna Margarethe Elisabeth, geb. 11. März 1860 in Harsefeld gest. 13. März 1937 in Buxtehude.
- Johannes Christoph V., geb. 7. Mai 1861 in Harsefeld, er war der Erbe der Apotheke und Nachfolger seines Vaters.
- Carl Julius, geb. 7. September 1862 in Harsefeld, gest. 18. Januar 1901.
- Amalia Dorothea Mathilde, geb. 6. Dezember 1863 in Harsefeld, gest. 14. November 1935 in Buxtehude
- Helene Luise, geb. 11. Juli 1868 in Harsefeld, gest. 20. Oktober 1898 in Buxtehude.
Johann Christoph V
Johann Christoph Leddin V. besuchte das Gymnasium in Stade und bezog, nachdem er längere Zeit als Apothekergehilfe tätig gewesen war, die Universität Leipzig, wo er bei der Landsmannschaft "Frankonia" aktiv war. Nach Beendigung seines Studiums ging er zunächst nach Neuhaus a. d. Oste und dann nach Vienenburg a. Harz. In seinen späteren Lebensjahren liebte er es, aus dieser Zeit manches lustige Erlebnis zu erzählen, wie er überhaupt ein humorvoller Erzähler war, dessen vornehmer Charakter sich mit einem weitschauenden Blick und mit einem edlen Sinn für Kunst, heimatlicher Geschichte und Kultur paarte. Welches Ansehen und welche Verehrung er in seiner Heimatstadt genoß, geht besonders aus der Tatsache hervor, daß Johann Christoph V. schon am 1. Januar 1898 zum Senator der Stadt gewählt wurde und dieses Amt dann auch 10 Jahre verwaltete. Rücksicht auf seine Gesundheit zwang ihn schließlich, es kurz vor dem 1 Weltkriege zur Verfügung zu stellen.
In seine Lebenszeit fiel auch einer der größten Brände, die die Stadt Buxtehude heimsuchten: der Brand vom 14. August 1911, als der größte Teil der Breiten Straße niederbrannte und das alte Rathaus zerstört wurde. Mit einem besonders hingebenden Interesse versah er auch das Amt eines Apothekenrevisors, dem er 30 Jahre seines Lebens widmete. Die Regierung in Stade berief ihn für lange Jahre zum Mitglied der Prüfungskommission für Apotheker. Etwa 20 Jahre lang, bis 1919, gehörte Johann Christoph Leddin auch dem Kreisausschuß des damaligen Kreises Jork an. Während eines Bürgermeisterinterregnums nach dem Ausscheiden des Landschaftsrats Fasold bis zum Antritt des Nachfolgers, Landschaftsrat Dr. Beyer, wurde Senator Leddin durch den Senat der Stadt zum Bürgermeister-Stellvertreter gewählt.
Wie seine ehrenamtlich. Tätigkeit damals anerkannt wurde, geht auch daraus hervor, daß ihm beim Abschied aus den ämtern seitens der Verwaltung der Stadt die Ehrung überbracht wurde, daß bei sich bietender Gelegenheit eine Straße nach ihm benannt werden sollte.
Johann Christoph Leddin V. verheiratete sich am 19. April 1895 mit Charlotte Anne Ernestine von John- Marteville, geb. am 18. Dezember 1866 zu ülsby, Propstei Südangeln, Tochter von Felix Adolf Eduard Martin von John-Marteville und seiner Ehefrau Emma Dorothea Johanna Helena Hinck aus Hamburg. Johann Christoph Leddin starb am 15. Mai 1924 nach längerem Kranksein, seine Frau starb am 21. Oktober 1950 in Buxtehude, fast 85 Jahre alt. Aus der Ehe stammen vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne:
- Wilhelm Felix Hermann, geb. 26. Februar 1896 zu Buxtehude, wurde im Jahre 1924 Erbe der Apotheke am Westfleth.
- Johannes Carl, geb. 7. Oktober 1897 zu Buxtehude, Buchdruckereibesitzer in Wunstorf bei Hannover, verheiratete sich am 20. September 1924 mit Dora Elisabeth Oppermann, geb. am 26. August 1897 in Wunstorf. Tochter: Elisabeth
- A da Mane Elisabeth, geb 17. September 1898 zu Buxtehude, verh. 27. Mai 1919 in Buxtehude mit dem Apothekenbesitzer Theodor Ohlandt in Selsingen, geb. 14. September 1882. Sohn: Karl Edwin, geb. 6. Januar 1926.
- Kurt Martin, geb. 26. Juni 1901 zu Buxtehude, Kaufmann In Hamburg, verh. 18. Juli 1942 in Husum mit Ilse Dora Scherer, geb. 8. März 1910 in Hamburg. Kinder: Erdmann, geb. 3. August 1943 in Buxtehude, Sönke August, geb. 19. Oktober 1944 in Buxtehude.
Wilhelm Felix Hermann
Wilhelm Felix Hermann Leddin als der älteste Sohn Johann Christophs V. übernahm die Apotheke nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1924. Er besuchte die Realschule in Buxtehude und machte die Abschlußprüfung in Kiel. Seine Lehrjahre von 1914 - bis 1920 in Buxtehude und Eichenbarleben wurden durch die Teilnahme am 1. Weltkrieg vom 1. Januar 1915 bis 1. Dezember 1918 unterbrochen, den er als Sanitäter nahezu vier Jahre mitmachte. Von 1921 - 1923 studierte er in Marburg (Lahn) und war aktiv bei der Landsmannschaft Hasso Borussia. Von 1938-1945 war Wilhelm Leddin als Luftschutzführer im zivilen Luftschutz tätig. Schließlich sei aus einer Anzahl seiner Ehrenämter erwähnt, daß er als Stadtrat seiner Heimatstadt das Amt des 1. Beigeordneten wahrnahm und bei der Regierung in Stade als Pharrnazierat wirkte.
Während seiner Zeit als Besitzer der Buxtehuder Rats- und Einhorn- Apotheke wurden nun für die Geschichte dieses alten Familieneigentums wesentliche, umfangreiche Veränderungen vollzogen, auf die einen Rückb1ick zu werfen aus Anlaß des Tages, an dem vor 225 Jahren der erste Leddin die Apotheke übernahm, wohl am Platze ist.
Eine erste wichtige Maßnahme war es, die Apotheke aus der Stille und Beschaulichkeit des Westfleths der damaligen Zeit in die verkehrsreichste Straße unserer Stadt zu verlegen.
Das geschah am 26. April 1926. Wilhelm Leddin verkaufte das Gebäude am Westfleth an den Schlachtermeister Otto Walter und kaufte Grundstück und Haus des Manufakturwarenkaufmanns Hermann Schumann an der Langen Straße. Daß dieser Schritt richtig war, hat sich in den vergangenen 30 Jahren für Apotheke und Kundschaft bewiesen. Und seitdem haben Organisation und Einrichtung, bauliche und geschäftliche Maßnahmen stetig mit den Erfordernissen der Jahre Schritt gehalten, und seitens des Besitzers der Rats- und Einhorn- Apotheke ist alles bedacht und getan worden, um mit der Entwicklung unserer rasenden Zeit und ihrem unerhörten Tempo in jeder Hinsicht Schritt zu halten.
Hatte schon der Umzug vom Westfleth her nach der Langen Straße einen erheblichen Umbau erforderlich gemacht, so wurde schon im Jahre 1934 ein weiterer größerer Umbau vollzogen, als dem Apothekenverkaufsraum, der sog. Offizin, eine besondere Drogerie angeschlossen wurde, denn für die Führung von Drogen und drogenähnlichen Artikeln reichte der Platz in der Offizin nicht mehr aus.
Im Jahre 1950, als sich Handel und Verkehr nach dem 2. Weltkriege wieder allmählich stabilisierten, entschloß sich Wilhelm Leddin, im Zusammenhang mit der Neufundamentierung der Vorderfront seines Hauses einen großzügigen Laden- und Schaufensterumbau vorzunehmen. Entwurf und Bauleitung lagen in der Hand des Architekten Feodor Peters, Kassel, und - ähnlich wie bei einer Anzahl anderer größerer Umbauten in der Stadt - bewiesen wieder Buxtehuder Handwerker ihre gewissenhafte Arbeit. Die Drogerie erhielt eine vornehm abgetäfelte Inneneinrichtung. In der Offizin blieben die alten, aus dem Jahre 1856 stammenden Regale, und die ehrwürdigen, schönen Gefäße aus den Tagen der Vorväter bekamen darauf ihren Ehrenplatz. Eine geschmackvolle Passage, die sich anderen modernen Geschäftshäusern in der Stadt harmonisch anfügt, führt rechts in die Apotheke, links in die Drogerie. Dieser Umbau wurde am 21. November 1950 eröffnet. Ihm folgte 1954 der Bau eines den modernen Bedürfnissen entsprechenden Laboratoriums mit Kontorräumen und einem Aufenthaltsraum für das Personal der Apotheke, sowie im Jahre 1957 noch ein neues Photolaboratorium nach den neuesten Erfahrungen.
Wilhelm Leddin ist seit dem 3. Februar 1922 mit Antonie Karoline Sophie Oppermann, geb. am 22. Juni 1895 zu Wunstorf bei Hannover als Tochter des Buchdruckereibesitzers Johann Dietrich Hermann Oppermann und dessen Ehefrau Antonie Justine Sophie geb. Wieczorek, verheiratet. Drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, wurden der Ehe geschenkt:
- Hans Hermann, geb. 18. Mai 1923, Inhaber der Rats- und Einhorn- Apotheke Buxtehude in ihrem 225. Jubiläumsjahr, heiratete am 27. Dezember 1952 die Apothekerin Anneliese Lidi Marie Safft, geb. am 29. Mai 1925 als Tochter des Majors a. D. und Bücherrevisors Otto Safft und seiner Ehefrau Therese, geb. Lehmann. Kinder: Anne-Kathrin Ada, geb. 25. August 1954 in Buxtehude. Johann Christoph Ludwig, geb. 21. April 1957 in Buxtehude
- Joachim Christoph Helmut, geb. 10. März 1925, Inhaber der Einhorn Drogerie, die im Jahre 1934 gegründet, im Jubiläumsjahr der Apotheke ihr 25jähriges Bestehen feiern kann, verheiratet am 7. Juni 1949, mit Annemarie Charlotte Goertz, geb. am 6. Dezember 1927 zu Königsberg i. Ostpr. Als Tochter des Kaufmanns Willy Goertz und dessen Ehefrau Helene, geb. Rückstein. Kinder: Ange1ika Helene Antonie geb 21 Mai 1950 in Buxtehude, Ada-Kristina, geb. 7. November 1955 in Buxtehude.
- Ada Mathilde Annemarie Emilie, geb. 30. Januar 1928 in Buxtehude, verheiratet am 3. Februar 1948 mit dem Zahnarzt Dr. med. dent. Günther Lohse, Sohn des Malermeisters Fritz Lohse und dessen Ehefrau Anna geb. Löhn.
Kinder: Wolfgang Friedrich Wilhelm, geb. 1. Februar 1949 in Buxtehude, Barbara Toni Anne, geb. 24. März 1952 in Buxtehude.
Hans Hermann Leddin studierte, wie auch seine Frau, an der Universität Kiel und war bei der Landsmannschaft Troglodytia ÂKiel aktiv. Seit dem 1. Januar 1958 ist er Inhaber der Apotheke in der Langen Straße, die nun den Namen Rats- und Einhorn-Apotheke führt.
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